Lions ohne 3 – aber am Ende wieder voll dabei

Nachdem langfristigen Ausfall von Pele Gianotti hatte die medizinische und physiotherapeutische Abteilung der Lions diese Woche keine Ruhe und lief auf Hochtouren. Die Knöchelverletzung von Brianna Rollerson heilte gut, jedoch wurde Samstag kurzfristig entschieden, dass das Risiko eine Einsatzes zu hoch ist. Auch Andela Maric klagte nach dem Training am Donnerstag plötzlich über Rückenbeschwerden, die nicht besser wurden. Auch hier wurde lange an einem Einsatz gearbeitet, aber auch hier hat es am Ende keinen Sinn gemacht. Zudem ist es Romy Bär nach ihren zweiwöchigen Pause auch noch nicht wieder bei 100%. So war vor dem Spiel klar, dass es auf allen Positionen eine andere Rotation geben wird und man ein wenig auf der letzten Rille ins schöne Marburg fahren würde.

Genau dies war dem Team auch zu Beginn des Spieles anzumerken. Der Start verlief noch gut, man fand Lisa Koop (13 Pkt./7 Reb.) am Korb und in der Defense wurden keine einfache Punkte zugelassen. Allerdings wurden die Lions früh in Foul-Trouble gebracht und Lisa Koop und Taylor Wurtz-Purifoy mussten sich in der Mitte des ersten Viertels mit je 2 Fouls auf die Bank verabschieden. Und trotz des starken Spiels von Carlotta Ellenrieder (7 Reb.) entstand dadurch ein Bruch, Marburg konnte konstant von der Linie punkten und vorne fielen die Lions Würfe einfach nicht. In Konsequenz stand es somit nach dem 1. Viertel 20:11 für Marburg.

Im zweiten Viertel konnte man durch eine Umstellung in der Defense zumindest wieder das Scoring des Gegners kontrollieren und hatte keine frühen Foulprobleme. Allerdings fielen die Würfe immer noch nicht und der erste Dreier von der erneut überragenden Taylor Wurtz-Purifoy (24 Pkt., 5 Steals) wollte nach 9 erfolglosen Versuchen der Lions erst kurz vor dem Viertelende fallen. Insgesamt war dieses Viertel aber sehr ausgeglichen (13:13), so dass die Lions mit einem 9-Punkte-Rückstand in die Pause gingen (24:33).

Und auch dieser Pausentee scheint sehr gut gemundet zu haben, denn die Lions konnten nach einer erneuten Defense-Anpassung ein Wahnsinns-Comeback starten. Nach den ersten 2:55 konnten die 9-Punkte-Rückstand mit einem 9:0 egalisiert werden. Nach weiteren 2:30 wurde der Lauf sogar auf 17:1 ausgeweitet und die Lions gingen mit 41:34 in Führung. Insgesamt gestatteten die Lions Marburg nur einen FW, einen 2er und einen 3er in diesem Viertel und konnten angeführt von Taylor Wurtz-Purifoy (10 Pkt. in Viertel 3), den Abstand zum Viertelende auf +9 Punkte ausbauen (48:39).

Der Beginn des letzten Viertels verlief gegen die etwas geschockten Marburgerinnen relativ ausgeglichen bis zur höchsten Führung von 53:43 (4. Min.). Auch wenn die Kräfte der Lions dann etwas schwanden und Marburg zweimal auf 4 Punkte (51:55, 53:57) und einmal auf 3 Punkte (56:59) herankam konnte man durch 4 Punkte von Romy Bär (mit 2 FW) und zwei weiteren FW durch Birte Thimm den Abstand auf 9 Punkte erhöhen (65:56) und nur ein 3er mit der Schluss-Sirene gestaltet das Endergebnis noch etwas freundlicher für die Gastgeber aus Marburg.

Nach dieser Verletzungs-Horrorwoche ist Mario Zurkowski verdammt stolz auf das Team:

„Dieses Team hat einfach so viel Herz, dass habe ich noch nicht erlebt. Wir sind mit einem unfassbaren Siegeswillen aus der Halbzeit gekommen. Das war für uns der emotionalste Sieg diese Saison und ich bin einfach stolz auf die Damen. Endlich ist diese Horror-Woche vorbei und wir können jetzt ein wenig Wunden lecken.“

Die Lions freuen sich auf die Länderspiel-Pause, weil dann hoffentlich alle Verletzungen bis auf die von Gianotti auskuriert und die Akkus der anderen Spieler aufgeladen werden können. Und das funktioniert natürlich besonders gut beim Anblick der Tabelle, an der sie immer noch mit weißer Weste von 8-0 Siegen dastehen. Das Team, der Staff und nicht zuletzt das perfekt abgestimmte Coaching-Team um Headcoach Mario Zurkowski haben sich diesen Anblick auch durch ihre jede Woche erneute intensive, fokussierte und akribische Arbeit auch mehr als verdient. Und dann beginnt ab dem 21.11. der 5-wöchige Jahresendspurt in dem sich die Lions frühzeitig aus dem Abstiegsrennen verabschieden wollen und beginnen werden, daran zu arbeiten, eine gute Ausgangsposition im Playoff-Rennen zu erzielen. Allerdings wird dieses Unterfangen von Woche zu Woche eine harte Herausforderung darstellen, weil die Liga weiter eng bleibt und auch die bisher in der zweiten Hälfte platzierten Teams anfangen zu punkten. Und jeder wird versuchen wollen, das Team zu sein, was die so überraschend weiße Weste der Lions verschmutzt und das wird über kurz oder lang auch ohne Zweifel passieren. Es bleibt also spannend.

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